DM Rastede 2010

Fangen wir mal ganz vorne an: Schuld an allem ist Rolf! Nachdem wir immer schon des öfteren mal auf Musikevents zum Gucken gefahren sind, hat uns Rolf Hinrichs im Jahr 2009 angerufen und uns Hotelzimmer für die Rasteder Musiktage besorgt. Aus Neugier, was dieses Rastede ist, haben wir zugesagt und sind hingefahren (Steffi, Bernd, Michael und Susanne). Dort haben wir eine sehr gut geplante und durchgeführte Veranstaltung vorgefunden und die Darbietungen der Orchester haben uns so begeistert, dass wir ins Auge gefasst haben, dort auch einmal mitzumachen.
Da wir in letzter Zeit immer "nur" Bühnenwertungen gemacht haben, unsere Uniform aber auch sehr "Show-Schick" ist und wir immer mal schon in Hildesheim auf dem Umzug eine Einlage einstudiert haben, interessierten wir uns sehr für den Bereich Wertungsmarsch und die Marschparade.


Besonders toll fanden wir das Publikum, welches ja das "Brot" des Musikers ist und man kann sagen, es gibt da ordentlich Brot in Rastede. Was wir von einer Bühnenwertung eigentlich gar nicht kennen ist Szenenapplaus und andere Publikumsgeräusche ... das wollten wir auch mal erzeugen!

Also begannen die Planungen. Als erstes mussten wir unsere MusikerInnen befragen. In einigen Gesprächen waren schnell alle dafür. Obwohl die meisten nicht wussten, was da auf jeden einzelnen zukommt, wollten alle mitmachen. Ende November begannen die Proben. Wir bildeten einzelne Arbeitsausschüsse. Einige organisierten die Proben, Turnhallen und Sportplätze. Andere kümmerten sich um den perfekten Sitz der Uniform. Wieder andere organisierten die Fahrt. Noch wieder andere  planten die Show, studierten das Regelwerk und suchten die Musik aus.

Das normale Einpack-ChaosDie Proben begannen zuerst mit den Grundlagen. Wie marschiert man los, wie geht man eine Kurve. Wie geht man gerade aus. Wie wackelt man nicht mit dem Kopf. Wir wollten unbedingt alle MusikerInnen mitnehmen. Also auch die "kleinsten". Dementsprechend hatten auch diese ein großes Lernpensum vor sich. In vielen Proben und Wiederholungen  (und nochmaaaal....) probten wir diese Standards. Dann begannen wir so langsam die Figuren für die Marschparade auszuprobieren, welche wir uns ausgedacht hatten.

Zur Info für den geneigten Leser: als marschierende Musikband gibt es derzeit drei Möglichkeiten, sich "laufend" einer Wertungsjury zu präsentieren.
1.    Der Wertungsmarsch: hier muss man Pflichtfiguren (Kurve, Anhalten, Anmarschieren, Verjüngung, Wendungen) mit Musik spielend ablaufen. Dieser "Parcours" wird von Wertungsrichtern entsprechend bewertet. Besondere Wert wird hierbei auf Genauigkeit der Schritt, der Reihen und der Rotten gelegt. Kurz gesagt, als Musiker muss man hier höllisch aufpassen und sich konzentrieren!
2.    Die Feldshow: Die Musikband kann auf einem großen Feld eigene Figuren und Formen ablaufen. Eine Jury bewertet auch hier das Marschieren, die Genauigkeit der Figuren und das Gesamtbild.
3.    Die Marschparade: sei Kurzem gibt es die Möglichkeiten von Marsch mit "Show". Der Trend derzeit geht vom "langweiligen" Marschieren weg zu interessanten Show-Einlagen während des Marsches. Für diese Kategorie wurde die Marschparade eingeführt: die Musikband muss einige Pflichtteile ablaufen und kann eine einge "Mini"-Show absolvieren welche etwa so bewertet wird, wie eine große Feldshow

Da wir nun auf dem Hildesheim-Umzug meistens auch Dinge wie Kreise, Schlangenlinien, Schrittwechsel und ähnliches einbauen, entschieden wir uns für eben diese Marschparade. Dies ist genau unser Ding! Hoch motiviert und "ohne große Ahnung" machten wir uns ans Werk. Während der Proben galt es immer mal wieder, Schwierigkeiten zu bekämpfen. Viele geplante Dinge stellten sich aus 'unmachbar' in der Realität heraus und wieder andere Dinge mussten einfach mal ausprobiert werden, um dann genauer geplant zu werden. So entstand langsam aber sicher unsere  Marschparade. Ungeahnte Schwierigkeiten stellten sich auch relativ schnell ein. Braucht man einen entsprechen großen, ebenen Platz mit ca. Ausmaßen von 50x40m so muss man schon länger suchen. Hat man dann einen gefunden, muss man dort einen freien Termin finden. Danach muss man auf das Wetter hoffen. Schneetreiben und Regenguss erschweren das Üben: es fällt dann aus! Die Alternative bot uns die Stadt Hildesheim mit der Mehrzweckhalle des Goethegymnasiums. Dort konnten wir die meisten "kleineren" Figurteile einzeln testen. Andere "Figurteile" wurden auch bearbeitet: Die Verpflegung war immer sehr gut und sehr lecker. Viele fleißige Kuchen"feen" versorgten uns mit Kuchen, Getränken, Kaffee, Muffins und allen Dingen, die das harte Training in den Pausen vergessen machten.

Doch zurück zur Show: ab April konnten wir dann endlich auch "auf die Wiese". Unsere Trainingsgelände waren der Sportplatz Groß Düngen, der Sportplatz Heinde, der Sportplatz des SV Wohldenberg, sowie der Sportplatz der SG Nordstadt. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle! Dort entstanden unsere Figuren wie Dreieck, das rotierende Viereck, die Schlangenlinie, der PacMan, etc dann so nach und nach. Die letzte Änderung haben wir Frau Meyer-Landrut zu verdanken. Nach Ihrem Gewinn flog in unserer Show der Mambo von Herrn Grönemeyer raus und der Satellite übernahm seine Stelle.
Im Groß Düngen typischen Stil waren wir unter viel Diskutiererei genau kurz vor knapp fertig und die Reise konnte beginnen. Es sei hier nochmal besonders erwähnt, dass der Wettergott es besonders gut mit uns meinte. Extrem gut: die bekannt heißen Umzüge durch Hildesheim, waren ein "Kälteeinbruch" gegen die Temperaturen, welche wir teilweise auf den Proben hatten!

Pünktlich um 8.30 Uhr ging es dann am Samstag, den 3. Juli los mit dem Pülm Bus in Richtung Rastede. Harry, unser Busfahrer hat noch nie in seinem Leben 35 Mann für eine Übernachtung mitgenommen, die Gepäck für 8 Wochen dabei haben, wie er meinte. So war es eine packtechnische Meisterleistung, alle Instrumente, Koffer und MusikerInnen in den Bus zu bekommen. Und in Groß Düngen untypischer Art uns Weise waren wir 8:30 Uhr pünktlich fertig, und: Achtung! Wir haben nix vergessen! Respekt dafür!

Tschö ... Argentinien!Gegen 10:30 Uhr waren wir in Rastede und bezogen unser Quartier. Bis hier lief alles schon reibungslos ... und bei bestem Wetter der Schweiß schon in Strömen. Die Unterbringung war "dufte" wie der Berliner sagen würde (die andere Musikband in der Schule kam aus Pankow).
Noch bevor die Luftmatraze aufgebaut wurde, musste allerdings der Beamer aufgebaut werden. Schland-Spiel 16 Uhr gegen Argentinien- das hatte Vorang vor allem! Zum Glück war unser Auftritt erst gegen 21 Uhr. Genug Zeit, Jogis´s Löw´n die Daumen zu drucken. Hatten doch viele ein Trikot und Vuvuzelas mit. Nach einigen Antennen-Experimenten ging alles gut und und wir guckten uns die unfassbaren 4 Tore der Deutschen, sowie das lange Gesicht von Maradonna an.

Danach richteten wir uns also weiter ein und gegen Abend fuhren wir nach nochmaliger Probe und Abendessen zum Schlosspark, wo die Wertungen stattfinden würden. Wir marschierten zu unserem Aufstellungsplatz. Jetzt sahen die meisten MusikerInnen zum ersten Mal, auf was sie sich da eingelassen hatten. Die Tribune war vollbesetzt und sehr viele Kapellen machten sich gerade warm, warten auf Ihren Auftritt oder waren gerade fertig. Die ganze Veranstaltung hatte etwas von einem Ameisenhaufen mit Instrumenten. Bei unseren sonstigen Wertungsmusizieren sieht man ja eigentlich nur den Teilnehmer vor sich und den nach sich, während man auf- oder abbaut. Aber hier  waren es gleich mal reichlich Musiker auf einen Schlag. (und wir sahen hier nur die sich bewegenden Musiker- die Bühnenwertungs fanden parallel noch an zwei anderen Orten statt ... alles in allem eine riesig Veranstaltung)

Nass & aufgeregt = aufgeregnetDann änderten sich das Wetter. In der Entfernung zogen Gewitter auf und des öfteren hörten wir einige (Achtung Wortwitz!) "Maradonner". Es goss in Strömen und der Spielmannszug Heiden vor uns, sowie wir wurden bis auf die Haut nass und absolvierten unseren Wertungsmarsch im Regen. Nicht gut: die Trommeln klingen wegen des Wassers auf dem Fell (was man bei Regen auch nicht weg bekommt) alle etwas schlechter, aber wir haben uns ziemlich gut geschlagen. Leider sieht man selber ja nichts von sich selbst, aber auf den schon gesichteten Fotos sieht alles ziemlich akkurat aus. Das Publikum war begeistert (besonders die Kirchweyher und die Ahltener machten ordentlich "Randale") Ein tolles Gefühl trotz Regen! Danke danke danke !! Besonders wo wir so etwas noch nie gemacht hatten.

Nach unserem Auftritt machten wir noch das Große Finale mit: alle Teilnehmer des Tages marschieren auf dem Platz auf. Es gab einige Regen, Siegergehrungen und das große Feuerwerk. Ein tolles Gefühl, allerdings wurde es sehr spät! Gegen 1 Uhr waren wir dann zufrieden, nass und müde zurück in der Schule. Da hatte das Musikfest reichlich überzogen. Und da wir dort sehr lange herumstanden, sprachen einige schon von Ra-Steh-de.

Am nächsten Tag, dem Sonntag war alles schlechte Wetter wieder weg. Wir hatten wieder Betriebstemperatur, wie auf unseren Proben. Die Showteile wurden nochmals durchgeprobt, damit jeder noch weiss, was wo zu machen ist und um 12.15 Uhr ging es los in Richtung Schlosspark. Dort war schon wieder eine Menge los. Wir marschierten zu unserem Sammelplatz und gegen 13 Uhr war die Siegerehrung des Vortages. In der Marschbewertung wurden wir 9ter. Mit 76,50 Punkten von 100 waren wir zufrieden. Man darf nicht vergessen, dass wir soetwas noch nie gemacht hatten. Bis zum nächsten Mal (sollten wir dies wiederholen) wissen wir, was wir zu üben haben. Wartezone
Gegen 15 Uhr war dann unsere Marschparade dran. Wir marschierten auf und nach kurzem Einweisen mit den Wertungsrichtern ging es los. Das Publikum tobte. Die Wertungsrichter waren begeistert (wir konnten dies hören, da die Wertungsrichter mit Aufnahmegeräten um uns und zwischen uns durchliefen). Die Luftgitarre-Flötistinnen bei "Smoke On The Water" waren der Hit. "Stadt" und "We will Rock you" wurde ruckzuck vom Publikum aufgegriffen und mitgeklatscht. Bei unserem Que Sera-Teil schunkelte die ganze Tribüne mit uns mit. Als wir dann nach "We will rock you" eine schöpferische Pause einlegen mussten, weil das Publikum applaudierte, moderierte uns allerdings der Stadionsprecher schon ab.
Davon irritiert, ist Steffi dann einmal falsch abgebogen und der letzte Teil der Show wurde spiegelverkehrt von uns absolviert. Die Wertungsrichter waren wohl auch etwas irritiert, denn sie gestikulierten einiges untereinander. Aber das ist nicht unser Problem: wir mussten eine Show "abziehen" :-) Mit dem letzten Lied "Satellite" von Lena verliessen wir tanzend das Stadion unter frenetischem Applaus.
Am Ende der Marschstrecke kullerten Steffi wegen des Patzers und der Aufregung die Tränen, aber wir trockneten diese schnell wieder da wir alles sehr zufrieden mit dem Geleisteten waren. Auch Peter Vulperhorst (Schlagzeugausbilder des Weltmeisters Pasveercorps Leeuwarden) beglückwünschte uns und tröstete Steffi. Den Fehler hätte man gar nicht bemerkt. Ab jetzt hieß es warten auf das Ergebnis. Wegen der hohen Temperaturen vernichteten wir einige "Monsterslushes" und erzeugten uns somit Zungen in den diversesten Farben und gegen 17 Uhr begann die Siegerehrung. Der Hammer: wir erhielten 86,33 Punkte und waren somit Deutscher Meister in der Marschparade. Die Freude war riesig. Als Steffi dann mit der Urkunde und der Goldmedaille bei uns stand, wurden wir erneut aufgerufen: neben der Marschparade der BDMV, welche wir mitgemacht haben, wurde auch noch der Wettbewerb "European Champion" durchgeführt, dort wurden wir automatisch auch mit geführt und unter allen dortigen Teilnehmern wurden wir zweiter und erhielten auch eine Goldmedaille. Steffi musste schnell zurück flitzen, um sich die unerwartete Medaille auch abzuholen.
Monsterslush-OpferZwei Goldmedaillen -  die MusikerInnen waren begeistert. Dann zog sich die Siegerehrung so sehr in die Länge, und wir standen schon 2 Stunden in der prallen Sonne, dass wir einen Rückzug beschlossen. Wir machten noch ein Gruppenfoto und beluden unseren Bus für die Heimfahrt.

Zufrieden, glücklich und mit 4 Stunden Verspätung erreichten wir unser Heimatdorf. Welches sich für unseren Erfolg wie immer gar nicht interessierte. Gar nicht? Nein. Das Ehepaar Fibich stand jubelnd mit Deutschland-Fahne an der Turnhalle. Cool! So sehen Sieger aus !


In Rekord-Tempo wurde der Bus entladen und die Instrumente verstaut. Dienstag ist groß Reinemachen. Einige Trommeln sind immer noch nass innen. Die ganze Fahrt war ein tolles Erlebnis und die viele Arbeit hat sich echt gelohnt.

So, jetzt sind aber erstmal Ferien! Schönen Urlaub!